Unfehlbare DNA

In unserer Wahrnehmung hat sich die DNA als untrügliches Merkmal eines jeden Menschen festgesetzt. Routinemäßig werden Täter aller Couleur mittlerweile von Filmkommissaren rund um die Welt durch ein verlorenes Haar oder ein paar Hautschuppen überführt. Die Technikgläubigkeit kennt da keine Grenzen.

Auch in der realen Welt gewinnen DNA-Proben zu diesem Zwecke immer mehr an Bedeutung. Scheinbar stört es da keinen zu erfahren, dass erst vor wenigen Jahren das menschliche Genom komplett sequenziert wurde, in jahrelanger weltweiter Kooperationsarbeit. Wie kann es da sein, dass DNA-Analysen binnen Tagen oder gar Stunden vorliegen?

Die Lösung ist simpel: Nicht die gesamte DNA wird sequenziert und verglichen, sondern lediglich einige Merkmale die sich für diesen Zweck als hinreichend variabel erwiesen haben. Das Problem dabei: mit jedem Merkmal des Genoms welches nicht verglichen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit von Übereinstimmungen zwischen verschiedenen Personen.

Was wie eine Zahlenspielerei klingt, hat in der Realität ernste Folgen. Der Artikel "How reliable is DNA in identifying susects?" der Los Angeles Times bringt das Problem auf den Punkt. In den Datenbanken des FBI werden beispielsweise 13 Merkmale festgehalten. Schon neun am Tatort gefundene Merkmale werden in Gerichtsverfahren zur Täterfindung zugelassen. Nicht selten stellt das gefundene DNA-Sample das einzige eindeutige und belasstbare Beweismittel dar. In Zeiten unserer Technikgläubigkeit fällt es Angeklagten und Verteidigern dann schwer gegen die Zahlen des FBI anzugehen und eine Jury von der eigenen Unschuld zu überzeugen. Wie problematisch das ist, selbst wenn man wie in Deutschland nicht von einer kaum vorgebildeten Jury sondern von einem eloquenten Staatsanwalt und einem verständigen Richter ausgeht, zeigt der Artikel. Die erfassten Merkmale sind nach bisherigen Untersuchungen bei weitem nicht so eindeutig, wie die Wahrscheinlichkeitsrechnung uns glauben machen möchte.

Die Probleme beginnen damit, dass DNA eben einen Zweck erfüllt. Dies bedingt, dass die DNA-Merkmale bei weitem nicht so zufällig im Genom ausfallen, wie Übereinstimmungswahrscheinlichkeiten von 1 zu 1 Milliarde oder gar 1 zu einer Billion vorraussetzen. Vor diesem Hintergrund sollte man sich ernsthaft Gedanken über die Zuverlässigkeit dieser Tests machen und bereits gefundene Probleme nicht leichtfertig und ohne Beweis auf Geschwister und eineige Zwillinge schieben. Die genetische Varianz der Menschen ist zu gering, als dass man solche Probleme auf die leichte Schulter nehmen sollte. Gerade ein so wichtiges Beweismittel wie die DNA hat es verdient auf wissenschaftlich gesichertem Fundament zu stehen, statt auf tönernen Füßen.