Boulevard

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[Bearbeiten] Warum der Boulevard die Welt verdummt!

Schon der Titel ist in seiner ganzen Platitude zu kurz gegriffen. Der Boulevard verdummt nicht nur, es nagt auch indirekt an der Intelligenz seiner Leser. Aber der Reihe nach. Dieser Text soll die Ausgangsthese untermauern.

[Bearbeiten] Kurzer Abriss zur Intelligenz

Da die Intelligenz sich schwer fassen lässt, wollen wir uns erstmal eine Begrifflichkeit einigen. Intelligenz beschreibt die Fähigkeit Informationen aufzunehmen, zu analysieren, nach Relevanz zu sortieren, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, Wichtiges dann zu speichern, diese Informationen dann bedarfsgerecht wieder abzurufen, zu sortieren und zu verknüpfen, daraus Schlüsse zu ziehen, diese wieder in obigen Fluss einzuklinken, sowie die Fähigkeit bei Wissenslücken Informationen zu interpolieren. Wie wir sehen können, ist Intelligenz zwar von Informationen unabhängig, kann sich aber ohne die Verabreitung bereits vorhandener Informationen nicht wirklich entfalten. Dies macht Intelligenz auch so schwer mess- und vergleichbar, da die Messungen prinzipiell nur bei identischem Kenntnissstand vergleichbar wären, per Definition beim lebenden Subjekt dieser aber nur unter identischen Vorraussetzungen einschliesslich gleicher Intelligenz erreichbar wäre. Dies führt zu dem Paradox, dass man das Ergebniss erst bestätigen kann, wenn man das Ergebniss bereits kennt. Intelligenztests sind vor diesem Hintergrund mehr als fragwürdig, müssen sie doch einerseits möglichst gleiche Vorraussetzungen schaffen, also den gleichen Kenntnissstand der Testperson erzeugen, andererseits dürfen sie nicht trivial sein, da man sonst nur noch Schnelligkeit der Probanden, nicht aber deren Erfolgsquote messen kann. Wählt man aber das andere Extrem, ein Gebiet, in dem alle Testpersonen unbewandert sind, fehlt jeder Bezug und nur ein Teilbereich, die Informationsverknüpfung sowie die Interpolationsfähigkeit bei Problemen ohne Bezugspunkt, wird vermessen. Ausserdem werden auch diese Ergebnisse durch den Versuch der Probanden die neuen Informationen mit vorherigen Erfahrungen in Bezug zu stellen und einzugliedern verfälscht. Trotzdem wählen die meisten aktuellen Intelligenztest letzteren Weg. Diese Ausschweifung zur Messbarkeit von Intelligenz soll den Einfluss von vorhandenen und bereits vorhandenen Informationen auf die Ausnutzung der Intelligenz unterstreichen. Stellen wir an dieser Stelle fest, dass wir um so mehr von unserer Intelligenz profitieren, um so mehr relevante bereits verarbeitete Informationen wir ihr zur Verarbeitung neuer Informationen zur Verfügung stellen können.

[Bearbeiten] Warum der Boulevard unserer Inteligenz schadet

An dieser Stelle kommt der Boulevard ins Spiel (wahlweise BigBrother, Djungelcamp, BZ, Bild o.ä.). Da das Verarbeiten von Informationen anstrengend ist, sucht der Mensch häufig nach Wegen diese Anstrengung zu mindern. Es gibt verschiedene Wege dies zu erreichen. Die erste Möglichkeit ist Informationen komfortabler aufzunehmen. Sowohl die Bequemlichkeit der eigenen Position als auch die Art der Informationsaufnahme haben einen entscheinden Einfluss darauf, wie konzentrationsfähig wir sind, als auch darauf, wie sehr uns diese Aufnahme anstrengt. Auch die Tagesverfassung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Man kann aber statt den Informationsfluss zu optimieren diesen auch minimieren. Diesen Weg geht der Boulevard. Der Informationsgehalt beispielsweise eines typischen Bildartikels ist gering. Ausserdem enthalten die Artikel in besonderem Maße vorbewertete Informationen. Der Leser wird so in doppeltem Sinne entlastet. Einerseits erfordert die Aufnahme von weniger Informationen eine geringere Anstrengung, andererseits entfällt bei vorbewerteten Informationen das eigene "In-Verbindung-setzen" der Inhalte und somit das eigene Bewerten. Der Konsument der Informationen wird so weiter entlastet, verliert aber auch die Möglichkeit die Informationsaufnahme zu beeinflussen und zum Beispiel selbst die Wertung bestimmter Ereignisse vorzunehmen. Genaugenommen müsste es deswegen "BILD Dir unsere Meinung" heissen. Dieser Effekt ist um so ausgeprägter, je einseitiger Informationen konsumiert werden. Gleichzeitig fehlt dem Konsumenten in solcher Weise vorbereiteter Informationen natürlich auch das Training. Die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen will schliesslich genauso geübt und trainiert werden, wie jeder einzelne Muskel in unserem Körper.

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