Lose Gedanken

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Intro

In diesem Teil des Wikis werdet ihr ungeschnittene Anfälle von Schreibwut in Kurzform meinerseits erleben. Oder anders ausgedrückt: wenn mich ein ganz kleines Thema intensiv beschäftigt, so dass ich das Bedürfniss habe es sofort hier aufzuschreiben, dann werden sich die Abrisse dazu hier finden. Häufig wird man hier derben Sarkasmus lesen, man sei also gewarnt...


Der Befehl

Der Befehl ist eine gar feine Sache. Er gereicht allen Beteiligten zum reinen Vorteil. Man kann die Menschen, welche üblicherweise an einem Befehl beteiligt sind in drei Gruppen aufteilen. Da wären die Befehlenden, die Befehligten und die, die es ausbaden müssen. Für die erste Gruppe ist der Vorteil klar. Sie müssen sich an der Ausführung nicht selbst beteiligen und wenn eines Tages über den Befehl gerichtet wird, wollen sie es nicht so, oder nicht in dieser Ausprägung, gemeint haben. Überhaupt seien sie ja nicht dabeigewesen, und man kann ihnen ja nun wirklich nicht vorwerfen, das diese dummen Untergebenen das ihnen Befohlene mit solcher Hingabe auch ausführen. Auch für den Befehligten macht der Befehl das Leben leicht. Er trägt persönlich keine Schuld, so wie sich der Hammer nicht beim Nagel entschuldigt. Seine persönlichen Ansichten waren nicht gefragt und auch er habe es ja nicht persönlich gemeint. Aus eigenem Antrieb hätte er ja sowas nie getan. Am Besten in der Chose ist aber das Opfer dran. Ihm bleibt auch im Tode die Gewissheit, dass alles nur ein dummer Zufall war, denn schliesslich wollte nie jemand ihm persönlich böses. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Wir lernen: der Befehl macht aus Mord einen Unfall. Welch' Trost für das Opfer...

Meine Lehre aus dem Film „Der Aufenthalt“ (1999)


Sind Soldaten Mörder?

Immer wieder erregt die Frage ob der Satz: Soldaten sind Mörder zulässig sei die Gemüter und mitunter sogar die Gerichte. Man hat den Eindruck, als ob diese Frage schwierig und nicht leicht zu beantworten zu sein scheint. Ich muss dem hier mal klar wiedersprechen. Schauen wir uns den Casus doch mal an. Was braucht man für einen Mord?

  1. Einen Toten (gegebenenfalls auch mehrere)
  2. Einen (oder mehrere) Verantwortliche
  3. Vorsatz

Bringen wir die drei Dinge nun mal zusammen. Wir brauchen also eine oder mehrere Personen die vorsätzlich mindestens eine weitere Person unter die Erde befördern, und zwar dauerhaft. Nun wird wohl niemand bestreiten wollen, dass es durchaus vorkommen mag, dass einer Soldat ist und nie die erste Bedingung erfüllen wird. Wir können damit also klar beweisen, dass Soldaten nicht per Definition auch Mörder sind.

Doch wie ist's so schön im Leben: nichts ist ohne Haken. Der Soldat ist berufen zum Töten. Das ist es, was ihn vom Feuerwehrmann, Polizisten oder sonstigem Ordnungshüter unterscheidet. Er soll schon vor dem Urteil richten. Jeder der Soldat wird weiss das.

Man merke drum: nicht jeder Soldat ist Mörder, aber der Weg ist nicht mehr weit. Und wer nun nicht glaubt, dass Vorsatz und Verantwortung beim Soldaten liegen, der hat den Text zum Befehl nicht verstanden.


Die Schuld

Die Schuld ist ein gar lästig Biest,
verhält sich so gar nicht wie gewohnt.

Der Mensch weiss es seit eh und je,
wenn man was teilt,
so hat man weniger.

So ist's beim Brot,
beim Wasser und beim Leid.
Doch nicht so bei der Schuld:

Wenn man sie teilt, wird sie nicht kleiner.
Im Gegenteil, sie wächst.

Wenn einer was tut,
so hat er die Schuld für sich allein.
Tut er, wie man ihm geheissen,
so tragen zwei die gleiche Schuld.

Auch wenn sich drei beteiligen,
   will die Schuld nicht schrumpfen.
Im Gegenteil, sie bläht sich auf
   als wollt' sie alles übertrumpfen.


Und die Moral von dem Gedicht: Der Befehl nimmt Dir nicht die Last der Schuld, er verdoppelt sie nur und verteilt sie dann auf zwei Schultern.

(14.01.2005)


last Update: 14.01.2005 Forendiskussionslink

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