Mauerrätsel

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Das Rätsel

  • Wenn Gott allmächtig ist, so ist er in der Lage eine Mauer zu bauen, welche er nicht zu überspringen in der Lage ist. Wenn er sie nicht überspringen kann, so steht dies nicht in seiner Macht, er wäre also nicht allmächtig, damit also nicht Gott.



Die Lösung

Um das Rätsel zu lösen, muss man erstmal verstehen, dass man ein Wesen wie Gott nicht einfach an menschlichen Maßstäben messen kann. Ich werde daher das Rätsel auf eine niedere Ebene herunterbrechen und so zeigen, warum eine solche Mauer für Gott kein Problem darstellt, ohne dass er den Widerspruch in Frage stellen muss.

Nehmen wir einmal an, wir haben ein Blatt Papier. Für die Wesen auf diesem Blatt Papier sind wir sehr mächtige Wesen. Wir können auf diesem Blatt einfach Dinge erschaffen oder vernichten. Die 2-Dimensionalen Wesen dieses Blattes können uns auch nicht direkt bemerken, da sie nur unserer Aktionen gewahr werden, uns selbst aber nicht direkt bemerken können. Ihnen fehlt schlicht die 3. Dimension, um unsere Existenz nachweisen zu können. Für sie sind wir eine Art Gottheit.

Nun will ein solcher kleiner 2D-Wicht unsere Nichtexistenz beweisen und stellt uns ein Rätsel, ähnlich dem unseren. Er sagt: "Wenn es einen Gott gäbe, so könnte er ein Objekt erschaffen, dass er nicht verlassen kann, ohne es zu berühren. Und dennoch wäre er in der Lage dies zu tun, ohne das Objekt zu kreuzen." Die anderen Wesen wissen das Rätsel nicht zu lösen, wir aber selbstverständlich schon. Wir malen einfach einen Kreis auf das Blatt Papier. Zm Beweis unserer Anwesenheit in dem Kreis malen wir nun z.B. ein Nicolaushaus. Dann heben wir den Stift ab, verlassen den Kreis ohne seine Kanten zu berühren und malen ausserhalb ein weiteres Nicolashaus. Das Wunder ist geschehen und die 2D-Wichte müssen anerkennen, dass es Mächte gibt, die sie nicht verstehen.

Und so verhält es sich auch für uns und die Mauer. Gäbe es zum Beispiel eine 4. räumliche Dimension, so wäre es uns unmöglich sie zu entdecken oder ihre Existenz auch nur indirekt zu beweisen. Wesen die 4 Dimensionen haben, wären in unseren 3 Dimensionen sehr mächtig, so mächtig, dass wir sie problemfrei Gott nennen könnten. Natürlich könnten sie auch problemfrei eine solche Mauer bauen.

Wir schliessen daraus, dass Wesen die mehr als 3 räumliche Dimensionen besitzen an unseren Maßstäben gemessen sehr mächtig wären. Dies schliesst allerdings nicht aus, dass es mehr als ein solches Wesen geben könnte. Die Existenz eines allmächtigen Gottes oder überhaupt eines solchen Wesens, beweisst dieser Ansatz also nicht. Er beweisst einzig, dass es ein oder mehrere solcher Wesen geben könnte, die wir Gott nennen würden.



Anmerkung zur Allmacht

Wenn man genauer hinschaut, sieht man natürlich, dass der Trick mit dem Kreis formal nicht ganz korrekt ist. Zwar haben wir mit dem Absetzen des Stiftes den Kreis im zweidimensionalen nicht berührt, wir mussten aber ebenfalls die Linie überschreiten, was zweidimensionalen Wesen nur auf Grund der zusätzlichen Z-Komponente nicht bemerkt haben. Im Grunde haben wir den Wicht also ausgetrickst, von Allmacht kann hier keine Rede sein. Allerdings ist unsere Macht auf den zweidimensionalen Raum so gross, dass die Grenzen unserer Macht über die Erfassungsmöglichkeiten des Wichtes hinausgehen. Der Horizont des Wichtes ist zu klein, um unsere Grenzen, selbst wenn wir sie ihm darlegen würden, zu verstehen. Ähnlich kann man dies auf uns anwenden. Ein Wesen welches über mehr als 3 Dimensionen verfügt, wäre für uns derart mächtig, dass wir die Grenzen seiner Macht weder erkennen noch verstehen könnten. Von diesem Standpunkt aus wäre das Wesen für uns also allmächtig.

Nun erst enfaltet die Bemerkung, dass es mehr als ein solches Wesen geben könnte, seine Wirkung. Sobald ein zweites Wesen auf gleicher Stufe wie das erste existiert, es also mehr als einen Gott gäbe, schränkt die Macht des Zweiten die Macht des Ersten ein. Ab diesem Moment sind beide auch für uns nicht mehr allmächtig, da beide auch in dem von uns erfassbaren Bereich ihre Macht teilen müssten. Dies erklärt, warum monotheistische Religionen so darauf bestehen, dass es nur einen wahren Gott gäbe. Gäbe es mehr als Einen, wäre ihre Definition dessen was Gott ist dahin.

Wenn man sich von dem Gedanken trennt, dass nur genau einen Gott geben kann, kommt man nun zu dem Schluss, dass Allmacht eben keine göttliche Eigenschaft ist. Auf die Frage: "Was ist Gott?", kann die Antwort nun nichtmehr "Der Allmächtige" lauten.

Bleibt man hingegen bei der Auffassung, dass es nur exakt einen Gott geben kann um die Allmacht als göttliche Eigenschaft und Definitionsanker zu erhalten, so gerät man aber in das unter Allmacht erörterte Dilemma. Daraus können wir also schliessen, dass Allmacht generell keine göttliche Eigenschaft ist. Schon das unscheinbare Mauerrätsel bringt uns also zu dem Schluss, dass "der Allmächtige" als Defintion für Gott generell nicht brauchbar ist.

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